1. FC Köln „gewinnt“: Hooligans müssen für Verbandsstrafen von Sportvereinen aufkommen

Der Bundesgerichtshof* hat jüngst entschieden, dass Sportvereine  gegen Hooligans einen Anspruch auf Schadenersatz haben können, der auch  vom jeweiligen Sportverband verhängte Geldstrafen umfassen kann. Dies  hatte das Oberlandesgericht Köln zuvor noch anders gesehen:

 

Im vom Bundesgerichtshof zu  entscheidenden Fall hatte der 1. FC Köln einen Zuschauer/Hooligan, der  bei einem Zweitligaspiel am 9. Februar 2014 einen Knallkörper in einen  Pulk anderer Zuschauer geworfen hatte, wodurch 7 Zuschauer verletzt  worden waren, auf die Zahlung von Schadenersatz in Höhe von 30.000 €  verklagt. Das Landgericht Köln hat der Klage zunächst stattgegeben. Das  Oberlandesgericht Köln hatte die Klage abgewiesen, weil es die Ansicht  vertreten hat, dass der 1. FC Köln weder aufgrund des zwischen dem  Zuschauer und dem 1. FC Köln geschlossenen Vertrag über den Besuch des  Bundesligaspiels, noch wegen einer vorsätzlichen sittenwidrigen  Schädigung im Sinne von § 826 BGB einen Anspruch auf den begehrten  Schadenersatz hat.

 

Dieser Ansicht ist der Bundesgerichtshof entgegengetreten. Nach  seiner Ansicht kann der 1. FC Köln seinen Schadensersatzanspruch sowohl  auf den zwischen ihm und dem Zuschauer geschlossenen Vertrag, als auch  auf den Rechtsgrund der vorsätzlichen sittenwidrigen Schädigung stützen.  Denn dem Zuschauer musste klar sein, dass eine solche Handlung,  insbesondere wenn dadurch Menschen verletzt werden, Sanktionen des  Deutschen Fußballbundes nach sich ziehen werden, die dann einen  finanziellen Schaden beim 1. FC Köln zur Folge haben können. Auch den  Einwand des Zuschauers, dass er bei ordentlichen Kontrollen des 1. FC  Kölns nicht in der Lage gewesen wäre den Knallkörper ins Stadion zu  bringen, hielt der Bundesgerichtshof nicht für stichhaltig. Denn es ist  nicht Aufgabe des 1. FC Köln alle erdenklichen Maßnahmen zu treffen,  damit Zuschauer eines Bundesligaspiels keine schädigenden Handlungen  vornehmen können. Vielmehr sind die Zuschauer selbst dafür  verantwortlich, dass sie sich ordentlich verhalten.

 

Der Bundesgerichtshof hat den Rechtsstreit wieder an das  Oberlandesgericht Köln zurückverwiesen, da dieses noch einige Fragen zu  klären haben wird. Zudem hat der Bundesgerichtshof in der  Urteilsbegründung klargemacht, dass die Klage des 1. FC Köln bzw. eines  jeden anderen Sportvereins, der mit derselben Problematik zu den  Gerichten kommt, kein „Selbstläufer“ ist. Allerdings hat die  Entscheidung den Weg dafür bereitet, dass Hooligans, die den Ablauf  einer Sportveranstaltung stören und dadurch finanzielle Schäden beim  Veranstalter des sportlichen Events verursachen, diesbezüglich in  Regress genommen werden können. Es bleibt zu hoffen, dass mehr Vereine  dem Vorbild des 1. FC Köln folgen werden.

 

*Bundesgerichtshof, Versäumnisurteil vom 22. September 2016, Az.: VII ZR 14/16
gplus-profile-picture Verfasst von:

Ass. jur. Kai Riefenstahl

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